Claude AI für Marketing: Der komplette Einstieg mit kopierbaren Prompts
Schritt-für-Schritt-Tutorial für Claude AI im Marketing: Einrichtung, Projects, Artifacts, die richtige Prompt-Struktur und zehn fertige Vorlagen, die du sofort kopieren kannst.
Claude ist in vielen Marketingteams zum Standardwerkzeug geworden — besonders dort, wo längere Texte, Markenstimme und die Arbeit mit vielen Dokumenten zusammenkommen. Dieses Tutorial führt dich vom ersten Login bis zu einem Setup, mit dem du täglich arbeiten kannst. Ohne Grundlagenkurs, direkt an Marketingaufgaben.
Schritt 1: Das Grundprinzip verstehen
Der wichtigste Unterschied zwischen frustrierender und nützlicher KI-Nutzung ist nicht der Prompt, sondern der Kontext. Ein Sprachmodell weiß nichts über dein Unternehmen, außer du sagst es ihm. Jedes Mal.
Ein Prompt, der funktioniert, hat in der Regel vier Bestandteile:
- Rolle — wer soll antworten und mit welcher Erfahrung
- Kontext — Marke, Zielgruppe, Angebot, Tonalität
- Aufgabe — was genau soll entstehen, in welchem Format, in welcher Länge
- Qualitätskriterium — woran erkennst du ein gutes Ergebnis
Fehlt Punkt 2, bekommst du Durchschnitt. Fehlt Punkt 4, bekommst du etwas, das gut klingt, aber nicht passt.
Schritt 2: Ein Project als Wissensbasis anlegen
Projects sind der Grund, warum professionelle Nutzung mit Claude anders funktioniert als ein Chat nebenbei. In einem Project hinterlegst du einmal Dateien und Anweisungen, die für jede Unterhaltung darin gelten.
Für Marketing legen wir bei Kunden typischerweise diese Projects an:
- Marke und Tonalität — Positionierung, Zielgruppen, Sprachregeln, Beispieltexte
- Angebote und Preise — Leistungen, Pakete, Argumente, häufige Einwände
- Kampagne aktiv — Briefing, Zielgruppen, bisherige Anzeigen, Zahlen
In die Projektanweisung gehört ein kurzer Text wie dieser:
Du bist Senior Marketing-Texter für [Marke], eine [Kurzbeschreibung].
Zielgruppe: [Beschreibung inkl. Alter, Beruf, Problem].
Tonalität: [z. B. direkt, warm, ohne Superlative, kein Werbe-Sprech].
Sprache: Deutsch (Österreich), Du-Ansprache.
Regeln:
- Keine Floskeln wie "in der heutigen schnelllebigen Zeit".
- Keine erfundenen Zahlen, Studien oder Zitate.
- Immer konkret: Beispiel statt Adjektiv.
- Wenn dir Kontext fehlt, frag nach, statt zu raten.
Prüfe jeden Entwurf am Ende gegen diese Regeln und nenne, was du geändert hast.Der letzte Satz ist der unterschätzte Teil: Wenn das Modell seine eigene Ausgabe gegen Kriterien prüft, steigt die Qualität spürbar.
Schritt 3: Zehn Prompts für den Marketingalltag
Werbetexte in Varianten
Erstelle 10 Varianten eines Meta-Ads-Textes für [Produkt].
Für jede Variante: einen Hook (max. 8 Wörter), 2 Sätze Haupttext, einen CTA.
Nutze pro Variante einen anderen psychologischen Ansatz:
Problem, Ergebnis, Vergleich, Neugier, Einwand, Beweis,
Zeitdruck, Identität, Frage, Geschichte.
Kennzeichne jede Variante mit dem Ansatz. Keine Emojis.
Schreib so, wie ein Mensch spricht, nicht wie eine Werbetafel.Landingpage-Struktur
Entwirf die Struktur einer Landingpage für [Angebot].
Ziel: [z. B. Terminbuchung].
Zielgruppe: [Beschreibung].
Liefere pro Abschnitt: Zweck, Headline, 2-3 Sätze Text, CTA-Text.
Reihenfolge nach Kaufpsychologie, nicht nach Optik.
Nenne am Ende die 3 größten Einwände dieser Zielgruppe
und wo im Seitenaufbau sie beantwortet werden.Kundenfeedback auswerten
Hier sind [Anzahl] Kundenbewertungen (siehe Datei).
1. Fasse die 5 häufigsten Lobpunkte und 5 häufigsten Kritikpunkte zusammen,
jeweils mit Häufigkeit und einem wörtlichen Beispielzitat.
2. Leite daraus 8 Formulierungen ab, die wir in Anzeigen verwenden können —
in der Sprache der Kundinnen und Kunden, nicht in Marketingsprache.
3. Nenne 3 Produkt- oder Serviceverbesserungen mit dem größten Hebel.Diese drei decken bereits einen großen Teil des Alltags ab. Weitere sieben Vorlagen — für Redaktionsplan, Newsletter, SEO-Briefing, Verkaufsgespräch, Reporting, Wettbewerbsanalyse und Reels-Skripte — findest du in unserer Sammlung 30 Claude-Prompts für Content.
Schritt 4: Artifacts für wiederverwendbare Ergebnisse
Wenn Claude etwas erzeugt, das du behalten willst — einen Redaktionsplan, einen Rechner, eine Checkliste, ein kleines Tool —, entsteht das als Artifact in einem eigenen Fenster. Du kannst es weiter bearbeiten lassen, ohne dass der Chatverlauf unübersichtlich wird.
Praktische Anwendungsfälle aus unseren Projekten:
- ein Angebotsrechner, den der Vertrieb im Gespräch nutzt
- eine interaktive Checkliste für Website-Launches
- ein Dashboard-Entwurf, bevor die Entwicklung startet
Wie du daraus eigene kleine Werkzeuge baust, ohne programmieren zu können, zeigen wir im Artikel zu Claude Artifacts und Skills.
Schritt 5: Die Fehler vermeiden, die alle machen
Zu höfliche Prompts. "Könntest du vielleicht..." verschwendet Kontext. Sei direkt und präzise.
Alles in einem Chat. Für jedes Thema eine eigene Unterhaltung. Lange, gemischte Verläufe verschlechtern die Ergebnisse messbar.
Erstes Ergebnis akzeptieren. Der zweite Durchgang ist fast immer der bessere. Sag konkret, was fehlt: "Zu allgemein. Nimm Variante 3 und mach sie spezifisch für Kundinnen, die bereits eine Alternative nutzen."
Zahlen ungeprüft übernehmen. Sprachmodelle erfinden plausible Statistiken. Alles, was nach Studie, Prozentwert oder Jahreszahl aussieht, gehört geprüft — ohne Ausnahme.
Schritt 6: Dateien richtig nutzen
Der zweite große Hebel nach dem Kontext sind Dateien. Claude kann PDFs, Tabellen, Bilder und Textdateien auswerten — und das verändert typische Marketingaufgaben grundlegend.
Drei Anwendungen, die sich sofort rechnen:
Wettbewerbsanalyse aus Screenshots. Lade Screenshots der Websites und Anzeigen von drei Mitbewerbern hoch und lass die Versprechen vergleichen. Was in einer Stunde manueller Arbeit entsteht, dauert so fünf Minuten — und ist vollständiger, weil nichts übersehen wird.
Auswertung von Kampagnendaten. Exportiere die Anzeigendaten als CSV und lass sie analysieren. Wichtig: Verlange die Rechenschritte im Klartext, damit du sie prüfen kannst. Sprachmodelle rechnen nicht immer zuverlässig, aber sie erkennen Muster in Daten sehr gut.
Transkripte aus Verkaufsgesprächen. Wenn du Gespräche mit Einwilligung aufzeichnest, sind die Transkripte die beste Quelle für Marketingtexte, die es gibt. Die Formulierungen deiner Kundinnen sind besser als alles, was ein Team am Schreibtisch erfindet.
Hier sind Transkripte aus 5 Erstgesprächen (siehe Dateien).
1. Sammle wörtliche Formulierungen, mit denen die Personen ihr Problem beschreiben.
Nur echte Zitate, keine Zusammenfassungen.
2. Gruppiere sie nach zugrundeliegendem Bedürfnis.
3. Schlage für jede Gruppe eine Headline vor, die diese Sprache aufgreift.
4. Nenne 3 Begriffe, die wir verwenden, die aber niemand im Gespräch benutzt hat.Punkt 4 ist regelmäßig unangenehm und regelmäßig der wertvollste Teil der Analyse.
Schritt 7: Der Arbeitsablauf, der sich bewährt hat
Statt eines einzelnen langen Chats hat sich dieser Dreischritt bewährt:
- Denken lassen, bevor geschrieben wird. Erst Briefing und Struktur anfordern, prüfen, dann den Text erstellen lassen. Das kostet fünf Minuten und verbessert das Ergebnis mehr als jede Prompt-Optimierung.
- Gezielt kritisieren. Nicht "besser machen", sondern "Absatz 2 ist eine Behauptung ohne Beleg — ersetze ihn durch ein konkretes Beispiel aus der Datei".
- Am Ende gegen die Regeln prüfen lassen. "Prüfe den fertigen Text gegen unsere Sprachregeln und liste auf, was du geändert hast."
Was Claude nicht kann — und was das bedeutet
Es gibt Grenzen, die man kennen sollte, weil sie sonst zu falschen Erwartungen führen. Aktuelle Zahlen und Marktdaten müssen aus verlässlichen Quellen kommen und geprüft werden. Deine internen Ergebnisse kennt das Modell nur, wenn du sie zur Verfügung stellst. Und die Entscheidung, welche Zielgruppe wirtschaftlich sinnvoll ist, bleibt eine unternehmerische — kein Modell kennt deine Marge.
Diese Grenzen sind kein Nachteil. Sie definieren nur, wo dein Beitrag liegt: im Kontext, im Urteil und in der Verantwortung für das Ergebnis.
Fazit
Claude wird dann zum echten Werkzeug, wenn du drei Dinge tust: Kontext einmal sauber hinterlegen, mit klaren Rollen und Kriterien arbeiten, und Ergebnisse konsequent nachschärfen statt zu akzeptieren. Das ist weniger Aufwand als eine Woche Tool-Vergleich — und bringt deutlich mehr.
Wenn du willst, dass wir dieses Setup für dein Team aufbauen und schulen: Wir machen genau das. Und wenn du erst weiterlesen möchtest, ist der Leitfaden KI im Marketing 2026 der passende nächste Schritt.
Häufige Fragen
Beide sind stark. Claude gilt bei längeren Texten, Tonalitätstreue und der Arbeit mit umfangreichen Dokumenten als besonders zuverlässig, ChatGPT punktet bei Bildgenerierung und Ökosystem. In der Praxis entscheidet weniger das Modell als die Qualität deines Kontexts.
Es gibt eine kostenlose Version mit Nutzungslimits, kostenpflichtige Einzeltarife im Bereich von etwa 20 Euro monatlich sowie Team- und Enterprise-Tarife pro Person. Für Agenturen und Marketingteams lohnt sich der Team-Tarif, weil Projekte geteilt werden können.
Ja, vollständig. Claude schreibt, analysiert und diskutiert auf Deutsch inklusive österreichischer und schweizerischer Eigenheiten. Wichtig ist, die gewünschte Varietät im Prompt zu nennen, etwa österreichisches Deutsch mit Jänner statt Januar.
In den kostenpflichtigen Geschäftstarifen werden Eingaben standardmäßig nicht zum Training verwendet. Für DSGVO-konformes Arbeiten brauchst du trotzdem einen Auftragsverarbeitungsvertrag und klare interne Regeln, welche Daten eingegeben werden dürfen.