Google Ads oder Meta Ads? Entscheidungshilfe mit Zahlen statt Meinungen

Wann Google Ads und wann Meta Ads die bessere Wahl ist: Nachfragelogik, Kosten pro Klick im DACH-Raum, Mindestbudgets, typische Ergebnisse je Branche und die richtige Reihenfolge.

Die Frage wird meist mit einer Meinung beantwortet. Dabei ist sie ziemlich gut entscheidbar, wenn man eine einzige Sache klärt: Suchen Menschen aktiv nach dem, was du anbietest — oder wissen sie noch gar nicht, dass es dich braucht?

Der grundlegende Unterschied

Google bedient bestehende Nachfrage. Jemand tippt "Zahnarzt Wien 1100 Notfall" und will jetzt etwas. Die Kaufabsicht ist hoch, der Wettbewerb auch, entsprechend die Preise.

Meta erzeugt Nachfrage. Jemand scrollt und wird auf etwas aufmerksam, das er nicht gesucht hat. Die Kaufabsicht ist niedrig, die Reichweite günstig, dafür braucht es überzeugendes Material.

Daraus folgt die einfachste Entscheidungsregel: Wird dein Angebot gesucht, fang bei Google an. Muss es erklärt oder gezeigt werden, fang bei Meta an.

Zahlen aus dem DACH-Raum

Richtwerte aus laufenden Konten. Die Streuung ist groß, aber die Größenordnung stimmt:

Kennzahl Google Ads Meta Ads
Klickpreis (Dienstleistung) 0,80–4,00 € 0,20–0,80 €
Kosten pro Lead (B2C-Dienstleistung) 15–60 € 10–45 €
Kosten pro Lead (B2B) 40–150 € 30–120 €
Sinnvolles Mindestbudget ab 600 €/Monat ab 600 €/Monat
Zeit bis zu belastbaren Daten 3–4 Wochen 4–6 Wochen

Wichtig: Ein niedriger Klickpreis bedeutet nicht günstige Ergebnisse. Bei Meta braucht es mehr Klicks pro Abschluss, weil die Kaufabsicht niedriger ist.

Entscheidung nach Branche

Google zuerst: Handwerk und Notdienste, medizinische Leistungen, Rechts- und Steuerberatung, Reparaturen, alles mit akutem Problem und Ortsbezug, spezifische B2B-Software.

Meta zuerst: Kosmetik und Ästhetik, Fitness und Ernährung, Mode und Lifestyle, Coaching, Gastronomie und Events, neue Produkte ohne etablierte Suchbegriffe.

Beides parallel: E-Commerce mit bekannter Produktkategorie, Immobilien, Versicherungen, Reisen — dort existiert sowohl aktive Suche als auch Inspirationsbedarf.

Test in fünf Minuten

Gib deine wichtigste Leistung mit Ortsangabe bei Google ein. Erscheinen mehrere Anzeigen und viele passende Ergebnisse? Dann gibt es Nachfrage — und Google ist ein guter Start. Findest du kaum etwas, existiert die Suche nicht, und du brauchst Meta.

Wenn das Budget knapp ist

Die häufigste Fehlentscheidung ist, 300 Euro auf beide Kanäle aufzuteilen. Ergebnis: zwei Kampagnen, die die Lernphase nie verlassen.

Besser ist diese Reihenfolge:

  1. Monat 1–3: Ein Kanal mit vollem Budget. Sauber messen.
  2. Monat 4: Retargeting auf dem anderen Kanal ergänzen — das ist günstig und wirkt sofort, weil die Menschen dich schon kennen.
  3. Ab Monat 6: Zweiten Kanal für Neukundengewinnung öffnen, wenn der erste stabil rentabel läuft.

Was beide Kanäle brauchen

Unabhängig von der Entscheidung sind drei Dinge Voraussetzung:

  • Sauberes Tracking. Ohne Conversions-Messung optimierst du blind. Bei Meta gehört die Conversions API dazu, bei Google das erweiterte Conversion-Tracking.
  • Eine Zielseite, die konvertiert. Der beste Klick verpufft auf einer schlechten Seite. Die Hebel dazu stehen in unserem Artikel zur Landingpage-Conversion.
  • Ein Angebot, das sich unterscheidet. Wenn du dasselbe anbietest wie fünf andere, entscheidet der Preis — und das ist ein Wettbewerb, den kleine Anbieter selten gewinnen.

Der häufigste Denkfehler

"Meta funktioniert bei uns nicht" heißt fast immer: Die Creatives waren nicht gut genug oder das Budget war zu klein. "Google ist zu teuer" heißt fast immer: Es wurde auf zu allgemeine Suchbegriffe geboten.

Beide Aussagen sind selten Kanalprobleme. Sie sind Umsetzungsprobleme — was eine gute Nachricht ist, weil sie lösbar sind.

Wer bei Google startet, verbrennt am häufigsten Geld durch zu weit gefasste Suchbegriffe. Drei Regeln, die den Unterschied machen:

Mit exakten und Phrasen-Begriffen starten. Weitgehend passende Begriffe liefern Reichweite, aber gerade am Anfang viel Streuung. Erst wenn Conversion-Daten vorliegen, lohnt die Öffnung.

Ausschließende Begriffe von Tag eins pflegen. Klassiker sind "kostenlos", "gratis", "Job", "Ausbildung", "selber machen", "Vorlage". Ohne diese Liste zahlst du für Suchende, die nie kaufen werden.

Eine Anzeigengruppe pro Thema. Wenn eine Anzeigengruppe fünf unterschiedliche Suchbegriffe abdeckt, passt der Anzeigentext zu keinem davon gut — und der Qualitätsfaktor sinkt, was direkt den Klickpreis erhöht.

Meta Ads: was den Unterschied macht

Bei Meta liegt der Hebel nicht in der Struktur, sondern im Material. Drei Punkte, die in unseren Konten regelmäßig den Ausschlag geben:

Genug Varianten. Sechs bis acht Creatives beim Start, nicht zwei. Die Plattform braucht Auswahl, um zu lernen.

Video schlägt Bild bei Kaltakquise. Bewegtbild erzeugt bei neuen Zielgruppen zuverlässig günstigere Ergebnisse, weil es länger stoppt.

Retargeting nicht vergessen. Der günstigste Umsatz kommt fast immer von Menschen, die die Seite schon besucht haben.

Die Kombination, die am besten funktioniert

Wenn Budget für beides da ist, ist diese Aufteilung in den meisten Fällen sinnvoll:

Kanal Rolle Budgetanteil
Google Suche Nachfrage abgreifen 40–50 %
Meta Kaltakquise Nachfrage erzeugen 30–40 %
Retargeting (beide) Abschluss holen 15–25 %

Der entscheidende Effekt entsteht im Zusammenspiel: Menschen, die über Meta auf die Marke aufmerksam werden, suchen später bei Google gezielt danach. Diese Markensuchen sind sehr günstig und haben hohe Abschlussraten — sie erscheinen aber in der Auswertung als Google-Erfolg, obwohl Meta sie ausgelöst hat.

Deshalb ist die Frage "welcher Kanal ist besser" nach einiger Zeit die falsche. Die richtige lautet: Wie viel Umsatz kommt insgesamt herein, und was passiert, wenn wir einen Kanal abschalten?

Der ehrliche Test

Schalte einen Kanal für zwei Wochen ab und beobachte den Gesamtumsatz, nicht die Kanalzahlen. Das ist unbequem, aber es ist die einzige Messung, die Zuordnungsprobleme umgeht.

Fazit

Die Entscheidung hängt an einer Frage: Existiert aktive Nachfrage? Wenn ja, ist Google der schnellere Weg zum Ergebnis. Wenn nein, führt an Meta kein Weg vorbei, dafür brauchst du gutes Material — wie du das effizient produzierst, steht in unserem Artikel zu KI-Werbeanzeigen.

Und wenn du unsicher bist: Wir schauen uns im Erstgespräch dein Angebot und deine Zahlen an und sagen dir klar, wo wir starten würden.

Häufige Fragen

Der Klickpreis ist bei Meta meist niedriger, oft 0,20 bis 0,80 Euro gegenüber 0,60 bis 4 Euro bei Google im DACH-Raum. Entscheidend sind aber die Kosten pro Anfrage, und da liegt Google bei aktiver Nachfrage häufig vorn, weil die Kaufabsicht höher ist.

Unter etwa 1.000 Euro monatlich raten wir davon ab. Zwei halb finanzierte Kanäle liefern weniger als ein ausreichend finanzierter. Starte mit dem Kanal, der zu deiner Nachfragesituation passt.

Rechne mit vier bis sechs Wochen bis zu belastbaren Aussagen. Die ersten zwei Wochen sind Lernphase, danach beginnt die sinnvolle Optimierung. Wer nach zehn Tagen abbricht, hat nur Lehrgeld bezahlt.

Ja, wenn der Kundenwert hoch genug ist. Bei einem durchschnittlichen Auftragswert von 3.000 Euro rechnen sich auch 400 Euro Monatsbudget schnell. Bei einem Produkt für 25 Euro ohne Wiederkauf wird es schwierig.

NM
navu media
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