Content-Strategie mit KI: 30 Tage Content in vier Stunden planen

Ein erprobter Ablauf, um mit KI einen kompletten Monatsplan für Social Media, Blog und Newsletter zu erstellen — von der Themensammlung bis zum fertigen Redaktionsplan.

Die meisten Content-Pläne scheitern nicht an Ideen, sondern an der Woche, in der wieder alles gleichzeitig kommt. Was dann fehlt, ist ein Vorrat: fertige Themen, klare Formate, keine Entscheidung mehr nötig.

Der folgende Ablauf erzeugt einen vollständigen Monatsplan in etwa vier Stunden. Er funktioniert mit jedem Sprachmodell, setzt aber voraus, dass dein Markenkontext hinterlegt ist — siehe Claude Projects einrichten.

Stunde 1: Rohstoff sammeln

Die Qualität des Plans hängt fast vollständig von diesem Schritt ab. Sammle, ohne zu bewerten:

  • Die letzten 30 Fragen aus Verkaufsgesprächen, E-Mails und Anrufen
  • Die häufigsten Einwände, wörtlich notiert
  • Fünf Kundenprojekte mit einem konkreten Ergebnis
  • Drei Dinge, die dich in deiner Branche ärgern
  • Fünf Aussagen, bei denen dir Fachkollegen widersprechen würden

Der letzte Punkt ist der wertvollste. Content ohne Haltung ist austauschbar, und Austauschbarkeit ist der Hauptgrund, warum niemand reagiert.

Stunde 2: Säulen definieren

Aus dem Rohstoff werden vier bis fünf Themensäulen. Eine typische Aufteilung:

Säule Anteil Zweck
Wissen und Anleitung 40 % Nutzen stiften, Kompetenz zeigen
Beweis und Ergebnis 20 % Vertrauen aufbauen
Haltung und Meinung 20 % Unterscheidbar werden
Menschen und Einblick 15 % Nähe schaffen
Angebot 5 % Verkaufen

Fünf Prozent Angebot wirkt wenig. In der Praxis ist es genug, wenn die anderen 95 Prozent gut sind — und deutlich mehr, als die meisten durchhalten.

Prompt: Säulen ableiten
Hier ist mein gesammeltes Material: [Fragen, Einwände, Projekte, Meinungen].

Leite daraus 5 Content-Säulen ab. Pro Säule:
- Name und Zweck in einem Satz
- 3 Beispielthemen aus meinem Material (nicht erfunden)
- welche Zielgruppen-Frage sie beantwortet

Streiche Säulen, die jeder Mitbewerber genauso hätte.
Sag mir am Ende, welche Säule bei mir am stärksten ist und warum.

Stunde 3: Themen und Formate zuordnen

Jetzt entstehen die konkreten Themen. Wichtig: Ein Thema, mehrere Formate. Aus einem guten Thema entstehen ein Reel, ein Karussell, ein Newsletter-Abschnitt und ein Blogartikel — ohne dass es sich wiederholt anfühlt, weil jedes Format einen anderen Aspekt betont.

Prompt: Monatsplan erzeugen
Erstelle einen Redaktionsplan für 30 Tage, 4 Beiträge pro Woche.

Verteilung nach meinen Säulen: [Anteile].
Formate: Reel, Karussell, Einzelbild, Story-Serie.

Pro Beitrag:
Datum | Säule | Format | Thema | Hook (max. 8 Wörter) | Kernaussage | CTA

Regeln:
- Kein Thema zweimal im selben Format.
- Mindestens 6 Beiträge basieren auf echten Kundenfragen aus meinem Material.
- Maximal 2 reine Angebotsbeiträge im Monat.
- Gib die Tabelle so aus, dass ich sie in eine Tabellenkalkulation kopieren kann.

Stunde 4: Prüfen und schärfen

Der Plan aus Stunde 3 ist ein Entwurf, kein Ergebnis. Geh ihn einmal komplett durch und stelle drei Fragen:

  1. Könnte das auch mein Mitbewerber posten? Wenn ja, streichen oder zuspitzen.
  2. Habe ich zu diesem Thema etwas Eigenes zu sagen? Wenn nein, brauchst du ein Beispiel aus deiner Praxis oder es fliegt raus.
  3. Ist der Hook eine Aussage oder eine Ankündigung? "5 Tipps für besseres Marketing" ist eine Ankündigung. "Wir haben drei Jahre das falsche gemessen" ist eine Aussage.

Erfahrungsgemäß überleben 60 bis 70 Prozent der Themen diese Prüfung. Der Rest wird ersetzt — was schnell geht, weil das Material aus Stunde 1 noch da ist.

Der Fehler, der Pläne killt

Zu viel auf einmal. Wer von null auf sieben Beiträge pro Woche springt, hört nach drei Wochen auf. Starte mit drei und erhöhe erst, wenn drei Monate stabil laufen.

Produktion: der Batch-Tag

Ein geplanter Monat nützt nichts, wenn täglich produziert wird. Bündle stattdessen:

  • Ein Aufnahmetag für alle Videos des Monats, ein Outfitwechsel in der Mitte
  • Ein Design-Block für alle Karussells und Grafiken
  • Ein Textblock für alle Captions

Das reduziert den Aufwand erfahrungsgemäß um die Hälfte, weil das ständige Umschalten zwischen Aufgaben wegfällt.

Messen, was zählt

Nach vier Wochen brauchst du nur drei Zahlen: Welche Säule erzeugt die meiste Interaktion, welches Format die meiste Reichweite, und welcher Beitrag hat zu einer Anfrage geführt. Der dritte Punkt ist der wichtigste und wird am seltensten erhoben — er lässt sich mit einer einfachen Frage im Erstgespräch klären: "Wo haben Sie uns gefunden?"

Die Wiederverwendung: aus einem Thema werden acht Beiträge

Der größte Effizienzgewinn liegt nicht in der Erstellung, sondern in der Mehrfachnutzung. Ein gründlich durchdachtes Thema ergibt ohne Qualitätsverlust:

Format Aspekt
Reel 1 Die überraschende Behauptung
Reel 2 Der häufigste Fehler dazu
Karussell Die Schritt-für-Schritt-Anleitung
Story-Serie Umfrage plus Auflösung
Newsletter Die ausführliche Version mit Beispiel
Blogartikel Die vollständige Fassung für Suchmaschinen
LinkedIn Die Meinung dazu, zugespitzt
Kundengespräch Als Argument im Vertrieb

Wichtig ist, dass jedes Format einen eigenen Aspekt betont. Dieselbe Aussage achtmal wiederholt wirkt beliebig — acht Perspektiven auf ein Thema wirken kompetent.

Der Themenspeicher

Der Grund, warum Content-Pläne im dritten Monat scheitern, ist fast immer derselbe: Der Rohstoff ist aufgebraucht. Die Lösung ist ein laufender Speicher statt einer einmaligen Sammlung.

Praktisch heißt das: eine Notiz auf dem Handy oder ein Kanal im Team-Chat, in den jede interessante Kundenfrage, jeder Einwand und jede Beobachtung wandert — im Moment, in dem sie auftritt. Zwei Minuten Aufwand, aber nach vier Wochen liegen dort dreißig echte Themen.

Diese Notizen sind auch der beste Input für KI. Ein Prompt mit dreißig echten Kundenfragen erzeugt etwas völlig anderes als ein Prompt, der nur die Branche kennt.

Wenn nichts funktioniert: die Diagnose

Wenn nach drei Monaten konsequenter Umsetzung nichts passiert, liegt es meist an einer dieser drei Ursachen:

Zu breit. Die Themen sprechen alle an und damit niemanden. Prüfe, ob deine letzten zwanzig Beiträge auch von einem beliebigen Mitbewerber stammen könnten.

Kein Standpunkt. Nur Erklärungen, keine Meinung. Inhalte, denen niemand widersprechen könnte, erzeugen auch keine Zustimmung.

Falscher Kanal. Wenn deine Zielgruppe im B2B-Bereich auf LinkedIn ist, bringt der beste Instagram-Plan wenig. Ein Kanal richtig ist besser als drei halb.

Der Test vor der Veröffentlichung

Frage bei jedem Beitrag: Was ist die eine Sache, die jemand danach anders sieht oder macht? Wenn es keine Antwort gibt, ist der Beitrag Füllmaterial — und Füllmaterial kostet Reichweite für die Beiträge danach.

Fazit

KI ersetzt in diesem Ablauf nicht das Denken, sondern das Sortieren und Ausformulieren. Der Rohstoff kommt aus deinem Geschäft, die Haltung von dir. Was du gewinnst, ist ein Plan, der auch in der stressigen Woche noch existiert.

Passende Prompts findest du in unserer Sammlung mit 30 Vorlagen, und wie du daraus Reels machst, die im DACH-Raum funktionieren, steht in unserem Reels-Artikel.

Häufige Fragen

Für die meisten kleinen Unternehmen sind drei bis vier Beiträge pro Woche ein realistischer Rahmen, der durchgehalten werden kann. Regelmäßigkeit schlägt Menge: Zwei Beiträge wöchentlich über ein Jahr wirken stärker als zehn pro Woche für zwei Monate.

Bei ungeprüftem Standardoutput ja, an typischen Satzmustern und Allgemeinplätzen. Wenn eigene Beispiele, Zahlen und Meinungen eingebaut werden und ein Mensch redigiert, ist der Unterschied für Leserinnen und Leser nicht relevant.

Die besten Quellen sind Verkaufsgespräche, Support-Anfragen und Kommentare. Alles, was dir jemand tatsächlich gefragt hat, ist ein besseres Thema als jede Trendliste.

Konsistenz. Ein durchschnittlicher Beitrag, der regelmäßig erscheint, schlägt einen brillanten Beitrag alle drei Monate. Erst wenn die Regelmäßigkeit steht, lohnt es sich, an der Qualität zu schrauben.

NM
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